Münchner Kindl

Vom Stadtwappen zur Werbe-Ikone: Das Münchner Kindl

Autor:Rudolf Elhardt

ISBN: 978-3-89783-879-6

60 Seiten, ca 110 farbige Abbildungen

Erscheinungsdatum: November 2017

16,80

Vom Stadtwappen zur Werbe-Ikone: Das Münchner Kindl

Das Buch handelt von einer Verwandlung eines erwachsenen Mannes zu einem zehnjährigen Buben und dann zu einem noch jüngeren Mädchen. Es ist die Rede vom Münchner Kindl, das seinen Lebensweg als Mönchsgestalt in einem Wappen der Stadt München begann und seine ausschließliche Daseinsberechtigung als noch jüngeres Mädchen in der Bierwerbung fand.
Die offizielle Wappenfigur von München ist im silbernen Wappenschild ein nach rechts blickender Mönch mit goldgeränderter schwarzer Kutte und roten Schuhen, in der Linken ein Eidbuch haltend, die Rechte zum Schwur erhoben. In einer mehr religiös interpretierenden Version handelt es sich bei dem Utensil um ein Evangelienbuch und die Rechte ist zur Segnung erhoben. Diese Wappenfigur wird als Münchner Kindl bezeichnet. Seit dem 16. Jahrhundert wurde die Figur verändert, einige Male auch aus dem Wappen verdrängt. Dabei wurde – besonders im 19. Jahrhundert – der Mönch immer mehr verkindlicht und in den 20er Jahren wurde aus einem Buben ein Mäderl.
Das erste junge Münchner Kindl wurde 1847 von dem Maler Kaspar Braun dargestellt, wie es aus dem Stadtwappen steigt, quasi seine ursprüngliche Festlegung verlässt. Der 85 m hohe Rathausturm des „Neuen“ Rathauses wird gekrönt von einem Münchner Kindl, das von Anton Schmid geschaffen wurde, wobei dessen Sohn Wiggerl (der spätere Volksschauspieler Ludwig Schmid-Wildy) Modell stand. Dann erreichte die Figur – besonders auf Ansichts(post)karten – eine überwältigende Popularität, die auch Aufschluss gibt über das damalige Lebensgefühl der Münchner und ihrer Besucher. Um die Jahrhundertwende war das touristische Postkarten-Schreiben so populär wie heute Selfies vor dem Eifelturm. Und auf den meisten Postkarten, die aus München verschickt wurden, war das Münchner Kindl zu sehen.
Das Buch zeigt die unglaubliche Vielfalt der Anlässe und Motive auf, bei denen das Münchner Kindl seinen Part spielte. Beim Möbel schleppen, Blumen pflücken, mit Puppen spielend, beim Schlittschuhfahren, bei Weihnachtsfeiern, Zeitung lesend, auf den Türmen der Frauenkirche, beim Malen, bei Gitarre-Spielen, turnend, in den Voralpen wandernd, bei Ausstellungen, auf der Wache, bei der Ehrung der Herrscherfamilie, zwischen Neujahrsraketen, beim Servieren, singend, tanzend,…
…auch im 1.Weltkrieg steht das Münchner Kindl tapfer neben einem bayerischen Infanteristen und schultert sein Gewehr. Und weiter:… beim Fassanstich, Bierkrug schleppend, Bier trinkend…ja, wir sind bei der Beschäftigung angelangt, die immer mehr zur Hauptbeschäftigung des Münchner Kindls wird…das Bier-Trinken. Beim Einschenken, beim Trinken, nochmals Trinken, singend und wieder trinkend. Auch die Folgen des Alkoholgenusses werden den Interessierten nicht verschwiegen… das Münchner Kindl holt die letzten Tropfen aus dem Krug, schenkt neu ein, weint, kotzt, sieht weiße Mäuse und schwarze Kater, kriegt einen Rausch, erlebt wirre Rauschträume, gibt Bier an Babys ab und holt sich immer weiter den vollen Krug. Die Bierwerbung und zugleich Stadtwerbung dieses Jahrzehnts geht, schwankt von einem Suff zum nächsten.
In der NS-Zeit schließlich verdichtet sich das Image des Münchner Kindls in der Bierwerbung. Es kommen schwarzweiße Ansichtskarten auf, mit den neuen Münchner Sehenswürdigkeiten…das „Braune Haus“, das „Haus der Deutschen Kunst“, die „Führerbauten“ am „Königlichen Platz“. Der 2.Weltkrieg schließlich ist zu furchtbar, ihn begleiten keine Münchner Kindl – Einsätze.
In die Jahre nach dem 2. Weltkrieg erlebt das Münchner Kindl nur einen schwachen Aufstieg in der Selbstdarstellung Münchens und der Bierwerbung. Zwar sind die Ansichtskarten bunt und knallig, aber die Kita-Mädchen in Mönchskutte schauen verständnislos in den (leeren) Bierkrug. Die phantasievolle Zeit vor dem 1. Weltkrieg ist Vergangenheit.
Das vorliegende Buch zeichnet die Veränderung der gelebten oder eingebildeten Gemütlichkeit der Münchner und ihrer Stadt mit viel Phantasie und Witz bis zu einer Barbie-Puppen ähnlichen Ikone der Produktwerbung auf.

Die Entwicklung vom Münchner Kindl ist zugleich eine Lebenskurve einer einst sehr populären Figur der touristischen Selbstdarstellung der Münchner Stadt bis hin zu einer sinn-entleerten Ikone der Bierwerbung durch Kleinkinder.

Die Darstellung ist für die Freunde Münchens eine Entdeckung angesichts der Vielzahl von verschiedenen Münchner Kindl-Darstellung in phantasievoller Szene. Zugleich zeigt es dem postgeschichtlich Interessierten das Auf und Ab der Ansichtspostkarte und ihrer Bedeutung.Es ist aber auch ein Dokument der sozialen Wirklichkeit einer vergangenen Epoche. Es ist ein anderer verklärender und unbedachter Umgang mit Fragen wie Alkoholauswirkung  auf oder Gefährdung von Kleinkindern. Auch Werbepsychologen werden über die verschiedenen Wege, die ihre Vorgänger gegangen sind, erstaunt sein.

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